Unter deinen Füßen liegt das Laub des vergangenen Sommers. Der Regen drückt es an die Erde. Der leicht modrige Geruch steigt zwischen den kahlen Stämmen auf. Was eben noch im Wind rauschte, beginnt nun, zum Boden des Waldes zu werden. Ich bleibe in diesen Tagen oft stehen und schaue hin. Mutter Erde versteht sich auf Verwandlung. Wir Menschen halten manchmal noch lange fest, während sie längst mit ihrer Arbeit begonnen hat.
Am 9. November 2026 um 08:02 Uhr begegnen sich Sonne und Mond auf 16°53′ im Skorpion. Für mich öffnet diese schwarze Mondin das große Tor von Samhain. In ihrer Dunkelheit möchte ich tiefer gehen und mich dem zuwenden, was unter der Oberfläche meines Lebens wirkt.
Bereits im letzten Mondartikel habe ich von diesem Neumond als möglichem Herzen von Samhain gesprochen. Jetzt stehen wir an dieser Schwelle. Die Ahnen haben hier ihren Platz. Doch diesmal geht es auch um dich und um die Frage, welcher Teil deines eigenen Lebens nach Wandlung verlangt.

NEUMOND in SKORPION
SONNE in SKORPION
09. November 2026
08:02:04 MEZ / Berlin

Samhain entfaltet sich als Schwellenzeit
Der Wald richtet seinen Übergang in den Winter nach dem Wetter und dem schwindenden Licht. Einige Bäume tragen noch Blätter, andere stehen längst kahl. Auch in uns vollzieht sich ein Abschied in seinem eigenen Tempo. Ein Datum kann einem Fest einen gemeinsamen Platz geben. Die Erfahrung seiner Schwelle reicht darüber hinaus.
In der irischen Überlieferung gehört Samhain zum Beginn des Winters am 1. November; viele Bräuche fanden am Vorabend statt. Man erwartete die Seelen der Verstorbenen im Haus und befragte Orakel. Meine Verbindung dieser Schwellenzeit mit dem Neumond im Skorpion wächst aus meinem heutigen Spüren.
Die Dunkelheit hat inzwischen Raum gewonnen. Wir verbringen mehr Zeit im Haus, und die Abende führen uns näher an das heran, was uns innerlich beschäftigt. Eine Erinnerung an unsere Vorfahren taucht auf. Eine Entscheidung, die wir seit Wochen vor uns herschieben, meldet sich lautstark in der Stille. Samhain berührt für mich genau diese Zwischenräume: Das Vertraute verliert seine bisherige Gestalt, während wir erst allmählich begreifen, wohin der Weg führt.
Die schwarze Mondin im Skorpion gehört für mich mitten hinein. Sie führt an die Stelle im Jahreskreis, an der wir einem Ende begegnen und zugleich ahnen, dass darin bereits etwas anderes heranreift.

Der Skorpion führt in das Verborgene
Der Skorpion gehört zum Wasser und ist beseelt von dessen Qualität. In meiner Deutung gleicht er einem tiefen Brunnen. Wer hineinschaut, braucht Geduld, bis die Augen in der Dunkelheit etwas erkennen. Seine Kraft lässt uns bei einer Frage bleiben, auch wenn die Antwort unbequem wird.
Zu seinem Reich gehören die Bindungen, die tief in uns hineinreichen. Dort liegen ebenso unsere Leidenschaft und die Kräfte, mit denen wir unser Leben verändern können. Der Skorpion berührt auch unseren Wunsch, etwas festzuhalten. Wir kennen die alte Geschichte und wissen, welchen Platz wir darin haben. Selbst eine schmerzhafte Rolle kann uns vertraut geworden sein.
An dieser Samhainschwelle lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen. Woran hältst du fest, weil es dir wirklich kostbar ist? Wo hältst du fest, weil du fürchtest, wer du ohne diese Geschichte wärst?
Eine Frau, die in ihrer Familie stets für den Frieden gesorgt hat, kann diese Aufgabe noch lange weiterführen. Sie fühlt jede Spannung und beginnt sofort, sie auszugleichen. Irgendwann merkt sie, wie viel von ihrem eigenen Leben dabei auf der Strecke bleibt. Der Skorpion führt zu der Angst darunter: Was geschieht mit meiner Zugehörigkeit, sobald ich meinen eigenen Willen ernst nehme?
Hier beginnt Schattenarbeit. Du schaust auf das, was dein Verhalten aus der Tiefe mitbestimmt. Auch ein Wunsch, den du dir lange versagt hast, kann dort auf dich warten. Zu Samhain darfst du ihm begegnen und herausfinden, was er heute von dir braucht.

Im zwölften Haus wartet dein verborgenes Wissen
In der Radix dieses Neumondes stehen Sonne und Mond im zwölften Haus. Dieser Bereich gehört in meiner magischen Deutung zu unseren inneren Schatzkammern. Dort liegt Wissen, das sich über Träume oder ein tiefes inneres Wiedererkennen zeigen kann.
Für deine Hexenpraxis heißt das, deiner Wahrnehmung Zeit einzuräumen. Setze dich an deinen Ritualplatz und bleibe eine Weile dort, bevor du nach deinen Werkzeugen greifst. Was beschäftigt dich, sobald der Tag sich zurückzieht? Welcher Gedanke kehrt immer wieder zu dir zurück?
Merkur bewegt sich zum Neumond rückläufig durch den Skorpion. Ich lese darin die Aufforderung, eine bekannte Geschichte noch einmal genauer zu betrachten. Ein Satz aus einem alten Brief kann heute etwas anderes in dir berühren als vor Jahren. Du selbst hast dich verändert und schaust heute mit anderen Augen darauf.
Schreibe zunächst auf, was du tatsächlich wahrnimmst. Ein Traum darf erst einmal ein Traum bleiben, dessen Bilder du erkundest. Seine Bedeutung kann sich über die kommenden Tage entfalten. Gerade an einer offenen Schwelle gehört Unterscheidungsvermögen zur Kunst einer Hexe.

Was du an diesem Tor zurücklassen möchtest
Ein Abschied braucht manchmal eine Handlung. Wir sprechen etwas aus und hören dabei zum ersten Mal, wie endgültig das für uns klingt. Oder wir nehmen einen Gegenstand vom Altar, der dort über Jahre einen bestimmten Abschnitt unseres Lebens vertreten hat.
Zu diesem Neumond kannst du dich einer solchen Bindung zuwenden. Wähle etwas Konkretes, das du selbst beeinflussen kannst. Vielleicht möchtest du deine Zustimmung zu einem Thema künftig erst nach einem Moment des Nachspürens geben. Oder ist es an der Zeit, etwas zu beenden, dessen Anliegen sich längst erledigt hat?
Mitten in der Samhainzeit besitzt solch ein Abschluss Gewicht. Du gibst dem Vergangenen einen Platz und holst deine Aufmerksamkeit in dein gegenwärtiges Leben zurück. Dort liegt die Kraft, mit der du weiterarbeiten wirst.
Eihwaz kann dich dabei begleiten. In meiner Runenarbeit gehört sie zur Achse zwischen den Welten. Ihre Verbindung zur Eibe trägt für mich das Wissen um Tod und fortdauerndes Leben. An dieser Schwelle erinnert sie dich daran, in deiner eigenen Mitte zu bleiben, während du dich der Tiefe zuwendest. Du findest diese Deutung auch in meinem Samhainorakel.

Neumondritual: Durch das Tor von Samhain
Dieses Ritual verbindet einen bewussten Abschluss mit dem Schritt über eine selbst gelegte Schwelle. Du kannst es am Abend vor dem Neumond oder am 9. November vollziehen.
Lege zunächst eine dunkle Schnur auf den Boden, sodass sie vor dir eine Schwelle bildet. Auf die andere Seite stellst du eine Schale mit etwas Erde. Halte Papier und einen Stift bereit. Ein kleines, natürlich von einem Baum gefallenes Blatt kommt ebenfalls an deinen Platz. Du wirst es später der Erde übergeben.
Räume dir genügend Platz für einen sicheren Schritt über die Schnur frei. Gedämpftes elektrisches Licht genügt für diese Arbeit. Du kannst auch die Magie einer Kerze nutzen. Wasche deine Hände und fahre anschließend bewusst über den Boden vor dir. Mit dieser Berührung und der klaren Intention erklärst du den Platz für die Dauer deines Rituals zu deinem geschützten Raum.
Sprich: „Ich weihe diesen Platz meiner Arbeit an der Schwelle von Samhain. Hier bestimme ich, welcher Kraft ich Raum gebe.“
Sprich aus, was endet
Setze dich vor die Schnur und betrachte das Blatt. Der Baum hat es freigegeben und nun beginnt seine Rückkehr zu Mutter Erde. Überlege, welchen Abschluss du heute mit einer Handlung bekräftigen möchtest.
Schreibe einen einfachen Satz auf das Papier. Er könnte lauten: „Ich beende meine Gewohnheit, sofort Ja zu sagen, sobald jemand etwas von mir möchte.“ Passe die Worte deinem Anliegen an. Eine überschaubare, ehrliche Entscheidung ist wirksamer als ein großes Versprechen.
Lies deinen Satz laut. Nimm wahr, was diese Worte in dir auslösen. Auch Trauer kann zu einem richtigen Abschied gehören. Halte das Blatt zwischen deinen Händen und lass es für das stehen, was du nun freigeben möchtest.
Sprich: „Ich erkenne, welchen Platz du in meinem Leben hattest. Heute beende ich meine Bindung an diese alte Aufgabe.“
Überschreite deine Schwelle
Stehe langsam auf. Vor dir liegt die Schnur, hinter der die Schale mit Erde wartet. Spüre deine Füße und entscheide bewusst, wann du den Schritt tun möchtest. Du bestimmst bei diesem Übergang das Tempo.
Tritt über die Schnur, wenn du bereit bist, und lege das Blatt auf die Erde. Drücke es sanft an. In dieser Handlung übergibst du das Vergangene der Wandlung.
Formuliere nun, wie du mit deiner frei werdenden Kraft umgehen möchtest. Für das Beispiel könnte dein Satz lauten: „Ich nehme mir Zeit für meine Antwort und achte dabei auf meinen eigenen Willen.“
Schreibe deine Worte unter die Entscheidung auf dem Papier. Arbeitest du mit Eihwaz, zeichne die Rune daneben und sprich:
„Eihwaz, begleite mich durch diesen Wandel. In meiner Mitte halte ich meinen Platz zwischen den Welten.“
Bleibe einen Augenblick bei diesem Satz. Welche konkrete Gelegenheit wird dir in den nächsten Tagen erlauben, ihn zu leben? Stelle dir diese Situation vor und höre dich deine Antwort sprechen.
Kehre in deinen Alltag zurück
Zum Abschluss berührst du die Erde und sprichst: „Ich schließe diese Arbeit. Meine Kraft begleitet mich in mein Leben. So sei es.“
Nimm die Schnur vom Boden und rolle sie auf. Damit hebst du die rituelle Schwelle wieder auf. Das Blatt kannst du anschließend auf deinen Kompost oder unter die Laubschicht im eigenen Garten oder im Wald geben. Die Erde kommt zurück an ihren ursprünglichen Platz. Bewahre dein Papier bis zum Vollmond auf, damit du deine Entscheidung erneut betrachten kannst.
Trinke etwas und nimm dir einen Moment, um wieder ganz im Raum anzukommen.

Eine kleine Reise durch den Mondzyklus
Mit der zunehmenden Mondin bekommt deine Entscheidung Gelegenheit, sich im Alltag zu bewähren. Merkur wird am 13. November wieder direktläufig. Göttin sei Dank. Die Venus folgt am 14. November. In meiner Deutung beginnt damit eine Zeit, in der du deine gewonnenen Einsichten klarer aussprechen und in deinen Beziehungen umsetzen kannst.
Am 24. November steht die volle Mondin in den Zwillingen der Sonne im Schützen gegenüber. Ihre Nähe zu Uranus gibt diesem Höhepunkt eine bewegliche, überraschende Qualität. Lies dein Ritualblatt noch einmal. Was hat sich seither für dich verändert?
Während die Mondin anschließend abnimmt, widme dich dem Abschluss deiner Arbeit. Räume beispielsweise etwas weg, was zur beendeten Aufgabe gehörte. Das kann ein alter Brief sein oder Ähnliches. Beobachte, wie sich deine Entscheidung im Alltag festigt. Am 9. Dezember erneuert sich dann die Mondin im Schützen und der nächste Zyklus beginnt. Komm wieder, wenn du wissen möchtest, was dann für dich wichtig ist.

Diese Mondphase und dein eigenes Zeichen
Die folgenden Impulse verbinden die Samhainthemen symbolisch mit deinem Sonnenzeichen. Dein persönliches Horoskop würde diese Geschichte natürlich noch genauer widerspiegeln.
Widder
Prüfe vor einer Bannarbeit, wofür du deine Kraft einsetzen möchtest. Ein klar benanntes Anliegen hilft dir, deinen Willen bewusst zu führen.
Stier
Nimm einen Gegenstand in die Hand, den du aus Verbundenheit bewahrst. Entscheide, welchen Platz diese Erinnerung in deinem heutigen Zuhause haben soll.
Zwillinge
Schaue auf den Satz, mit dem du eine Geschichte aus deinem Leben erzählst. Schreibe ihn neu, sobald du merkst, dass er gar nicht mehr stimmig ist.
Krebs
Erinnere dich an eine Verstorbene, bei der du dich geborgen gefühlt hast. Widme ihr eine Wassergabe und benenne, was von ihrer Fürsorge durch dich weiterleben darf.
Löwe
Suche deinen Ritualplatz ganz für dich allein auf. Spüre dort, welche magische Arbeit dich wirklich erfüllt.
Jungfrau
Betrachte ein wiederkehrendes Ritual und seinen heutigen Sinn. Passe seine Form an das an, was du inzwischen über deine eigene Praxis gelernt hast.
Waage
Sprich an deinem Altar einen Wunsch aus, den du in einer Beziehung bisher zurückgehalten hast. Höre, wie deine eigene Stimme ihm eine wahre Bedeutung schenkt.
Skorpion
Wem oder was gibst du noch Macht über dein Leben? Sprich in deinem Ritual aus, worüber du künftig wieder selbst entscheiden wirst.
Schütze
Lies einen Eintrag aus deinem Tagebuch, den du früher für wahr gehalten hast. Prüfe, wie deine Erfahrungen dein Verständnis seither vertieft haben.
Steinbock
Lege einen Gegenstand, der seine Aufgabe bereits erfüllt hat, bewusst vom Altar. Würdige damit deine geleistete Arbeit und ihren Abschluss.
Wassermann
Betrachte deine Zugehörigkeit zu einem magischen Zirkel. Formuliere für dich, welche Freiheit du darin brauchst, um deine eigene Kunst weiterzuentwickeln.
Fische
Gib deiner Traumwahrnehmung einen festen Platz in deinem Tagebuch oder beginne ein Traumtagebuch. Beschreibe morgens zuerst die Bilder und lass dir mit ihrer Deutung Zeit.

Die Botschaft der schwarzen Mondin
„Komm näher, Hexe. Lege deine Hand auf Mutter Erde und fühle, wie sie das gefallene Laub aufnimmt. Auch du darfst einen Abschnitt deines Lebens nun zu Ende bringen. Würdige, was er dir bedeutet hat und spüre, wo deine Kraft heute hinfließen möchte. An dieser Schwelle gehört der nächste Schritt allein dir.“

Welchen Abschluss möchtest du an diesem Samhain Tor mit einer bewussten Handlung bekräftigen? Schreibe es mir gerne in die Kommentare.


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